Dresden: Die Waldschlösschenbrücke ist flacher und anschmiegsamer als das Blaue Wunder. (Maßstabgerechter Silhouettenvergleich: Henry Ripke Architekten).
ddd

Donnerstag, 26. Januar 2012

Randale in Dortmund: Es muss auch gegen Ordner und Einlasskontrolleure ermittelt werden

Die Staatsanwaltschaft Dortmund geht gegen Pokalrandalierer von Dynamo Dresden vom 25. Oktober 2011 vor, heißt es am 26. Januar 2012 in manchen Medien. Das kann man nur unterstützen, denn gegen diese Randalierer muss ermittelt werden, ihnen muss der Prozess gemacht und sie müssen bestraft werden.

Doch was ist mit den Ordnern und Einlasskontrolleuren von Borussia Dortmund?

Wer die nicht unerheblichen Mengen an Böller und Raketen ins Stadion lässt, weil er nicht oder nur nachlässig kontrolliert, gegen den muss auch ermittelt und angeklagt werden.

Immer wieder haben Stadionbesucher als Zeugen berichtet, dass sie überhaupt nicht kontrolliert worden waren. Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Begünstigung von Gewalttaten durch grobe Vernachlässigung der Dienstpflichten – so oder so ähnlich könnte man, zumindest als juristischer Laie, die Vorwürfe gegen das Ordnungspersonal formulieren. Zumindest sollte man sich die Frage stellen, was wohl andernorts mit Mitarbeitern von Sicherheitsdiensten passiert, die das, was sie kontrollieren sollen, nicht kontrollieren, so dass Menschen gefährdet und verletzt werden sowie Sachschaden entsteht.

M. B.

Freitag, 25. November 2011

»Wiederholungstäter« – vom »Problemfall« Dynamo zum Problemfall DFB

Nach dem Herbst kommt der Winter. (Foto: L. B.)

Dynamo gilt als Wiederholungstäter. So heißt es derzeit überall. Dieser Satz jedoch offenbart ein tragisches, für Dynamo derzeit sogar desaströses Missverständnis. Denn nicht die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden ist Täter.
Täter sind jene Kriminellen, gegen die zu ermitteln und anzuklagen Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaft ist. Und die müssten auch gegen die Begünstiger der Gewalt ermitteln, also gegen jene, die in Dortmund für die Sicherheit und für die Kontrollen im Signal-Iduna-Park verantwortlich waren.

Doch es wird so gut wie gar nicht ermittelt, geschweige denn angeklagt. Die staatlichen Organe bleiben im Hintergrund und lassen es zu, dass mit Dynamo ein Buhmann gefunden wird, dessen Opferung längst beschlossene Sache scheint.

Wie wenig ernst es auch dem DFB beim Kampf gegen Gewalt vor und in den Stadien ist, zeigt die Tatsache, dass das Sportgericht mit seiner Strafe gegen die Begünstiger der Gewalt in Dortmund – das dortige Einlass- und Kontrollpersonal – noch hinter dem Antrag des DFB-Kontrollausschusses zurückgeblieben ist. Das gleicht einer Aufforderung an alle künftigen Einlass- und Kontrollkräfte der Klubs, bei konkurrierenden Gastvereinen sogar riesig große Böller und Raketen, Baseballschläger und Schlagringe geflissentlich zu übersehen. So treibt die DFB-Politik den Fußball in den Einflussbereich von Gewalttätern und Verbrechern. Denn eins ist klar: Jeder Fan jedes beliebigen Vereins kann sich in die Farben des Konkurrenzvereins kleiden und Raketen abfeuern, jeder Sicherheitsmitarbeiter am Einlass kann Pyrotechnik und Flaschen bei den ins Stadion strömenden Gästefans wegschauend übersehen. Deshalb ist das Sanktionierungssystem, bei dem die Vereine für die Gewalt von Kriminellen bestraft werden, kontraproduktiv. Dass dieses Sanktionierungssystem des DFB bisher noch nie im Kampf gegen Gewalt erfolgreich war, sondern nicht selten die Stimmung eher angeheizt hat, sollte zu denken geben.

An einigen Stellen wird immer wieder auf die im juristischen Regelwerk des DFB verankerte Verpflichtung der Klubs verwiesen, denen zufolge die Klubs Verantwortung für das Verhalten ihrer Fans übernehmen. Genau hier liegen die Wurzeln der völlig ungerechtfertigten Gleichsetzung von Klubs mit »Tätern« und damit für die verleumderische Formulierung »Wiederholungstäter«.

Im Zivilrecht gibt es einen Rechtsgrundsatz, nach dem eine Pflicht, deren Erfüllung objektiv unmöglich ist, keine Pflicht ist. Es heißt »Impossibilium nulla est obligatio« (deutsch: »Nichts ist Pflicht bei Unmöglichkeit«). Formuliert ist dieser Grundsatz in § 275 Abs. 1 BGB.
Fußballklubs haben zwar die Möglichkeit, mit guter Arbeit in Fanprojekten gegen Gewalt vorbeugend mitzuwirken (und Dynamo tut dies in großem Umfang), aber sie haben weder juristisch noch praktisch-organisatorisch die Möglichkeit, polizeiliche und geheimdienstliche Aufgaben zu übernehmen. Insofern können sie die Gewalttaten Einzelner oder von Gruppierungen zwar zurückdrängen, nicht aber die Planungen erkennen und die Realisierung wirklich und vollständig verhindern.
Formulierungen in den Regelwerken des DFB, nach denen die Fußballklubs die Verantwortung für das kriminelle Verhalten einiger ihrer jeweiligen Fans tragen, dürfen deswegen nicht zur Anwendung kommen, denn sie sind nach dem Grundsatz »Impossibilium nulla est obligatio« hinfällig.

Ein zugespitztes Beispiel gefällig? Wenn jemand mit Merkel-Maske und in Merkel-Lieblingsklamotten sowie »Merkel Hurrah!« schreiend mordet – wer würde verurteilt? Der Täter oder Merkel? Sogar wenn Merkel vertraglich gesichert die Verantwortung für die Taten aller Bürger übernommen hätte – verknackt werden müsste doch der Täter, nicht Merkel.

Mathias Bäumel

PS.: Nur mal zum Darüber-Nachdenken: Zwei Geisterspiele könnten für Dynamo teurer werden als der Pokalausschluss. Grundsätzlich sollte ein Fußballklub nicht für das Verhalten von Rowdys finanziell »bluten« müssen – denn gerade das wollen diese Rowdys doch!

Mittwoch, 2. November 2011

Kontrollausschuss des DFB macht Dynamo Dresden zum Spielball von Kriminellen

Wenn der Kontrollausschuss des DFB den Verein Dynamo Dresden kaputt machen will, muss er bei seiner Absicht bleiben, Dynamo vom Pokalwettbewerb auszuschließen. Das Gewaltproblem wird der Kontrollausschuss damit nicht lösen.

Im Gegenteil: Eine solche Ungerechtigkeit, Unverschämtheit und Dreistigkeit spielt den Kriminellen in die Hand. Immer mehr Dynamo-Anhänger werden so verzweifelt, hoffnungslos und dadurch zunehmend mehr gewaltbereit.

Ganz abgesehen davon, dass diese Art Sanktionierung grundlegenden Rechtsregeln widerspricht. Man kann Herrn Müller nicht für das Verbrechen des Herrn Lehmann verurteilen, nur weil Lehmann während seiner Tat die Lieblingsfarben Müllers getragen und »Es lebe Müller« gebrüllt hat.

Genaueres hier.

Dieses ungerechte Sanktionierungssystem, dass das Schicksal von Vereinen immer mehr zum Spielball von Kriminellen macht, muss abgeschafft werden!

Keine Frage: Schläger und Pyromanen müssen ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt werden. Wenn es die Rechtslage erlaubt, am besten vor ein Schnellgericht.

Warum aber können die Radauextremisten überhaupt solche Pyrotechnik ins Stadion schmuggeln? Die kann man nicht einfach unterm Hemd verstecken, und in solchen Mengen gleich gar nicht. Antwort: Ohne »Hilfe« der Einlasser geht das nicht.

Also ebenfalls keine Frage: Gegen die, die für die Sicherheit und für die Kontrollen im Dortmunder Signal-Iduna-Park verantwortlich waren, muss ebenso ermittelt und gegebenenfalls geurteilt werden.

M. B.

Dienstag, 1. November 2011

Kultur der Massenmedien als »Geburtshelfer« der Fankultur im Fußball

Gedanken zur Berichterstattung nach dem Fußballspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden – Sanktionierungssystem ist kontraproduktiv

(Die Fans von Dynamo Dresden treiben die Spieler immer wieder zu besseren Leistungen an. Sie sind nicht zu verwechseln mit gewaltbereiten Kriminellen. Foto: www.photoarena.de)

Fußballpokalspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden: Kaum ein anderes Ereignis in Deutschland rief unmittelbar nach Bekanntwerden so viele Druckzeilen und Sendeminuten hervor wie die mutmaßlichen Ereignisse während des und unmittelbar nach dem Geschehen(s) in Dortmund am vergangenen Dienstag (25. Oktober 2011).

Die Meinungsmacher in der Gesellschaft der »Zeichensetzer« setzten wieder einmal ein Zeichen gegen den Dresdner Verein. Dahinter stand wohl auch diesmal diebische Freude: Gut, dass es mal wieder Gelegenheit gibt, diesen Bastard aus dem Osten weithin als Gefahrenherd für die öffentliche Sicherheit zu diffamieren. Dass das Zweite Deutsche Fernsehen mit Sportreporter Wolf-Dieter Poschmann und Marietta Slomka im heute-journal in dieser Frage an vorderster Front »kämpfte« und einseitige, zu Lasten Dynamo Dresdens und der sächsischen Landeshauptstadt gehende Bewertungen vornahm, ist empörend.

Wenigstens die Dresdner Neuesten Nachrichten kritisierten dies. Thomas Scholze schrieb in der Ausgabe vom 27. Oktober 2011:

»Gejammer an Stelle sachlicher Information, Vermutungen statt Fakten, im Interview mit Dortmunds Polizeidirektor Peter Andres keine Fragen zum trotz etlicher Vorwarnungen unzureichenden Sicherheitskonzept der Dortmunder Polizei. Und zweierlei Maß in der Beurteilung: ›Weltuntergang‹ im Signal-Iduna-Park, aber keine kritischen Bemerkungen der jeweiligen Kommentatoren zu den ›Pyro-Shows‹ bei den Spielen in Trier und Unterhaching (da im Bochumer Block). Das Feuerwerk der Kölner Fans in Hoffenheim fand der Sender sogar ziemlich klasse, es sei ja schließlich bald Karneval und ein ›gewollter Kontrast‹ zum in der SAP-Arena heimischen Eventpublikum. Und in Heidenheim befand das ZDF: ›Zündelfreunde bereichern die Ostalb.‹ Nach keiner dieser Partien wurde ein einziger ZDF-Gesprächspartner zu den verbotenen Feuerspielen befragt. In Dortmund schon. Böse (das weiß man ja) sind die Ossis – so sehen die ›Mainzelmännchen‹ die Welt.«

Der Fußball-Soziologe und Fachbuch-Autor Michael Rautenberg hob in einem längeren Interview zum Thema »Fußball, Gewalt und Massenmedien« bereits vor drei Jahren im Dresdner Universitätsjournal 18/2008 (11. November 2008) hervor, dass die Kultur der Massenmedien Geburtshelfer der Fankultur ist. Es gäbe in den meisten europäischen Ländern keine Sportart, die eine vergleichbare Aufmerksamkeit der Medien hat, wie der Fußball. Da die »Massenmedien (Presse und Fernsehen) immer mehr Notiz von den Scharmützeln beim Fußball nehmen«, bietet der Fußball und die um ihn angelagerten Szenen für bestimmte Randgruppen beste Gelegenheit, in der Gesellschaft wenigstens wahrgenommen zu werden, ein Gemeinschaftsgefühl als »Andersseiende« und eine Art von Selbstwertgefühl als Kämpfer gegen etablierte Mächte zu entwickeln. Zumindest dann, wenn immer wieder ausführlich in den Massenmedien berichtet wird! Das schadenfrohe Senden der Bilder von Dortmund als Endlosschleife spielt gerade diesen Gewalttätern in die Hände und wird – vielleicht ungewollt – zum Helfershelfer des Radaus.

Keine Frage: Schläger und Pyromanen müssen ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt werden. Wenn es die Rechtslage erlaubt, am besten vor ein Schnellgericht.

Warum aber können die Radauextremisten überhaupt solche Pyrotechnik ins Stadion schmuggeln? Die kann man nicht einfach unterm Hemd verstecken, und in solchen Mengen gleich gar nicht. Antwort: Ohne »Hilfe« der Einlasser geht das nicht.

Also ebenfalls keine Frage: Gegen die, die für die Sicherheit und für die Kontrollen im Dortmunder Signal-Iduna-Park verantwortlich waren, muss ebenso ermittelt und gegebenenfalls geurteilt werden.

Eins ist klar: Jeder Fan jedes beliebigen Vereins kann sich in die Farben des Konkurrenzvereins kleiden und Raketen abfeuern, jeder Sicherheitsmitarbeiter am Einlass kann Pyrotechnik und Flaschen bei den ins Stadion strömenden Gästefans geflissentlich übersehen. Deshalb ist das Sanktionierungssystem, bei dem die Vereine für die Gewalt von Kriminellen bestraft werden, kontraproduktiv. Denn damit macht man die Vereine vom Willen dieser Kriminellen abhängig oder gar erpressbar. Süffisant stellte mancher Journalist nach dem Dortmund-Spiel am 25. Oktober die Frage, wie lange sich ein Sponsor solche Randale bieten lassen könne. Was den Dynamo-Sponsor Veolia sogleich veranlasste, seinen Ausstieg anzudrohen.

Auf diese Weise haben es Kriminelle in der Hand, die Geschicke im Fußball mitzusteuern!

Ganz abgesehen davon, dass diese Art Sanktionierung grundlegenden Rechtsregeln widerspricht. Man kann Herrn Müller nicht für das Verbrechen des Herrn Lehmann verurteilen, nur weil Lehmann während seiner Tat die Lieblingsfarben Müllers getragen und »Es lebe Müller« gebrüllt hat.

So lange das aber so bleibt, haben Drahtzieher im Hintergrund sowie Zeichensetzer vor Kameras und an Tastaturen immer wieder Chancen, die Taten von Kriminellen mit geballter Aufmerksamkeit zu »adeln« und damit gegen manche Vereine Stimmung zu machen.

M. B.

Montag, 10. Oktober 2011

Neues Buch zu exzellenten Forschungen in der Geschichte der TU Dresden

Mit einem neuen Buch »Innovation hat Tradition. Exzellente Wissenschaft in der Geschichte der TU Dresden (1828 – 1990)« zeigt die TU Dresden – die einzige noch im Rennen um den Titel »Exzellenzuniversität« befindliche ostdeutsche Hochschule – anschaulich, dass sie auch schon im Laufe ihrer eigenen Geschichte viele bedeutende Forschungsleistungen hervorgebracht hat.

Seit ihrer Gründung 1828 als Technische Bildungsanstalt Dresden, die 1890 zur Königlich Sächsischen Technischen Hochschule und 1961 zur Technischen Universität avancierte, lehrten und forschten an der TU Dresden viele Wissenschaftler, die auf ihrem Fachgebiet deutschlandweit und darüber hinaus große Bedeutung erlangten, nach denen Verfahren, Zusammenhänge oder Geräte benannt sind und die mit ihrer Arbeit auch in unserem Alltagsleben, direkt oder indirekt, nachhaltige Spuren hinterlassen haben. Sechzig von ihnen werden in diesem Buch vorgestellt.

Die enthaltenen Beiträge verdeutlichen eindrucksvoll, dass es exzellente Forschung an einer der ältesten technischen Hochschulen Deutschlands und deren technisch-akademischen Vorgängereinrichtungen schon seit dem vorletzten Jahrhundert gibt.

Das Buch liegt ab 17. Oktober 2011 an der TUD-Information, Glaspavillon, Mommsenstraße 9, 01062 Dresden, zum Kauf aus. Preis: 20 Euro.
Bestellungen beim Sachgebiet Universitätsmarketing der TU Dresden, Viola Läntzsch, 0351 463-34288, oder: viola.laentzsch@tu-dresden.de

M. B.

Montag, 6. September 2010

Von der Unsitte des Deppenapostrophs – das Zeitalter von »Meier's Gaststätte« ist beendet

Es ist eine mittlerweile weit verbreitete Unsitte, bei Wörtern im Genitiv oder im Plural einen Apostroph vor dem »s« einzufügen, wie zum Beispiel bei »Meier’s Gaststätte« oder den »großen Kino’s«. Bissige Zeitgenossen bezeichnen eine solche Verwendung gern einmal als Apostrophitis – eine Krankheit! –, den falschen Apostroph als »Deppenapostroph« oder gar als »Kapostroph«.

Was steckt dahinter?

In der deutschen Sprache markiert ein Apostroph eine Auslassung von Buchstaben, etwa in »das gibt’s«, in Versen wie »ew’ge Jugend« oder zwecks Kürze bei »K’lautern«.

Beim Genitiv oder im Plural hingegen wird in der Regel nichts ausgelassen. Der falsche Gebrauch des Apostrophs ist vielmehr ein typisches Beispiel von »Denglisch « – der Übernahme von Elementen aus dem Englischen in unsere Muttersprache. Im Englischen wird das Genitiv-s mit Apostroph an das Wort angefügt – McDonald’s kennt wohl jeder! Doch auch im Englischen gibt es keinen Apostroph vor dem Plural-s, ebenso wenig wie im Deutschen: Angeboten werden eben nirgendwo CD’s sondern schlicht CDs. Große Kinos haben wohl manchmal ein McDonald’s in der Nähe, wer das nicht mag, geht jedoch höchstens in Meiers Gaststätte um die Ecke.

Jeder sollte in Zukunft einfach etwas mehr auf solche vermeintlichen »Neuerungen « achten: Unsere deutsche Sprache ist es wert, erhalten und gepflegt zu werden. Und dazu kann jeder beitragen.

Dr. Berit Haritonow,
Vorsitzende des Landesverbandes
Sachsen des Bundesverbandes der
Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ)

erschienen in Dresdner Universitätsjournal 18/2009

Freitag, 30. Juli 2010

Blick nach Westen - Autoklau und warum die Osteuropäer immer schuld sein sollen

(Wohin des Wegs? Foto: Rainer Sturm / pixelio)

In Polen und Tschechien werden unsere deutschen Autos geklaut. Auch wer in der Nähe der polnischen oder tschechischen Grenze lebt, dessen Autos sind stark gefährdet. Kaum ein Zeitungsartikel, kaum ein TV-Beitrag, der nicht den Osten als Gefahrenzone für seriöse Autoleben und die Bürger Osteuropas als potenzielle Autodiebe verunglimpft. Vor dem Fernsehgerät sitzend kann man darauf warten, dass der Reporter einen „rollenden“ Oberlausitzer vor die Kamera zerrt, der empört über die unhaltbaren Zustände schimpft.

In Rom stellen deutsche Touristen ihren Golf sorglos auf dem Parkplatz ab, nach Prag würden sie „niemals!“ mit dem eigenen Auto fahren. Eine im September 2008 referierte Studie zeigt jedoch: Auto-Diebstähle kommen in Italien weit häufiger vor als in anderen europäischen Ländern. Bei einem Städtevergleich fanden sich unter den zehn Kommunen, in denen 2004 europaweit die meisten Auto-Diebstähle registriert wurden, gleich sieben italienische Städte.
Diese Auto-Diebstahlsstatistik führt die süditalienische Stadt Caserta an, es folgten Catania, Neapel, Turin, Rom und Mailand. Erst auf Platz sieben lag mit Manchester die erste nicht-italienische Stadt!

In den Vergleich wurden insgesamt 258 Städte in allen 27 EU-Staaten, also auch Städte in der Tschechischen Republik und Polen, einbezogen. (Quelle: diepresse.com)

Wovon also soll mit der Schuldzuweisung an Osteuropäer abgelenkt werden?

Etwa davon, dass fast jeder Autodiebstahl den Autokonzernen hilft, mehr Autos zu verkaufen? Und zwar auf Kosten der Autobesitzer, die mit ihren durch die Diebstähle erhöhten Kaskoprämien den Herstellern fast im Selbstlauf Zusatzverkäufe bescheren. Je mehr Autos geklaut werden, desto mehr Absatz macht der Konzern.

Dass Politiker ausgerechnet die Autokonzerne als Partner im Kampf gegen den organisierten Autodiebstahl mit ins Boot holen wollen, scheint so bitter nötig wie aussichtslos.

Denn wenn die Konzerne nur wollten, könnten sie – schon immer.

M. B.